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Studie Elektromobilität in der Region

Studie belegt positiven Trend auch im ländlichen Raum


Die Elektromobilität wird auch in Lüneburg Fahrt aufnehmen. Die Prognosen sagen, dass in rund 15 Jahren der Marktanteil der Neuwagen bei zwanzig Prozent liegen werde.

Die rund 100 Teilnehmer der vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg am 16. August 2018 durchgeführten Konferenz waren sich darin einig, dass sich die Region Lüneburg auf die mit der Elektromobilität verbundenen Veränderungen einstellen muss.

Monika Scherf blickte in ihrer Begrüßung insbesondere auf die ländlich geprägten Teile der Region Lüneburg. Sie sei davon überzeugt, dass die Elektromobilität mehr und mehr auch diesen Raum erreichen und für Autobesitzer attraktiv sein werde. Die Landesbeauftragte hob hervor: „Die Reichweiten einer Batterieladung werden in absehbarer Zeit bei etwa 400 Kilometern liegen. Die Ladeinfrastruktur wird ständig optimiert.“ Dabei hätten die Besitzer von elektrobetriebenen Fahrzeugen in den kleinen Städten und in den Dörfern den Vorteil, dass sie ihre Fahrzeuge überwiegend zu Hause in der eigenen Garage oder im Carport laden können.

Anlass der Konferenz war die aktuell fertiggestellte „Studie Elektromobilität in der Region Lüneburg. Zum Einstieg stellten Holger Frantz von der EBP Deutschland GmbH und Alexander Pesch von der PTV Transport Consult GmbH die Ergebnisse vor. Für Landesbeauftragte Monika Scherf ist die Studie eine wichtige Arbeitsgrundlage für alle Akteure. „Damit es im Amtsbezirk Lüneburg mit der Elektromobilität vorangeht, wollen wir schnell gute Rahmenbedingungen schaffen“, sagte sie. Dazu zeige die Studie viele gute Ansätze auf. Wichtig seien ihr die achtzehn konkreten Maßnahmen, die in der Langfassung der Studie beschrieben werden. Dazu gehören zum Beispiel die Gründung eines Projektbüros E-Mobilität für die Region, ein koordinierter und effizienter Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Ausbau der Radwegenetze für E-Bikes. Einen besonderen Anreiz sieht Monika Scherf in dem Vorschlag, öffentliche E-Flotten für Carsharing zu öffnen. Dadurch würde das Mobilitätsangebot erweitert. Für weite Teile der Bevölkerung würde damit ein niederschwelliger Erstkontakt zur E-Mobilität möglich. Außerdem würde eine bessere Auslastung der Flotten erzielt.

Das ArL Lüneburg werde alle Regionen im ländlichen Raum unterstützen, diese Ideen in gute Projektanträge zu gießen und mit Fördermitteln auszustatten, betonte Monika Scherf. Aufgerufen seien hier ganz besonders die Leader- und ILE-Regionen, die diese Studie gemeinsam mit den elf Landkreisen der Region Lüneburg in Auftrag gegeben hatten. Die Förderregionen verfügen überwiegend noch über entsprechende finanzielle Mittel, um geeignete Projekte zu fördern und umzusetzen.

Für die Leader- und Integrierten ländlichen Entwicklungs- (ILE) Regionen ist im ArL Lüneburg das Dezernat Strukturförderung ländlicher Raum zuständig. Dezernatsleiterin Annika Wangerin betont die Multiplikatoren-Rolle des Amtes und der Regionalmanager in den Regionen. „Die im politischen Raum geführten Diskussionen über E-Mobilität müssen den Bürger erreichen, denn dieser treffe ja letztlich selbst eine Entscheidung für oder gegen ein E-Auto. Hier können die Regionalmanager von entscheidender Bedeutung sein.“

Lienhard Varoga, zuständiger Dezernatsteileiter in der Geschäftsstelle Bremerhaven und Mitglied der Lenkungsgruppe sieht die Herausforderungen für den ländlichen Raum darin, lokale Ideen vor Ort miteinander zu verknüpfen und die Ideen der unterschiedlichen Mobilitätskonzepte miteinander zu verbinden. Die Leader und ILE-Regionen seien hierbei ein wichtiger Partner in der Koordinierung und Kommunikation vor Ort. Gemeinsam mit seinen Kollegen Torben Braun und Siegfried Dierken in den Geschäftsstellen Lüneburg und Verden des ArL Lüneburg und den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Dezernates werde man die Regionen beraten und den Informationsaustausch begleiten.

Auch Alexander Stark, Leiter der Lenkungsgruppe und des Fachbeirates zum Kooperationsprojekt sieht die Elektromobilität auf einem guten Weg. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Elektromobilität kommt. Auch im ländlichen Raum sind die Bedingungen für die E-Mobilität gut. Dennoch gibt es in verschiedenen Handlungsfelder viele Aufgaben für Kommunen und Netzbetreiber der Energieversorgung, um die Infrastruktur zu für die Elektromobilität zu optimieren." Die Unterlagen zur Veranstaltungen finden Sie zum Download in der Infospalte.

Die Unterlagen zur Veranstaltungen finden Sie zum Download in der Infospalte.

Studie Elektromobilität in der Region Lüneburg

Zur Veröffentlichung der Studie hatte Landesbeauftragte Monika Scherf in einer Pressemitteilung des ArL Lüneburg geschrieben: „Wir sind sehr froh, dass die Landkreise und Förderregionen die Initiative zu dieser Studie ergriffen haben.“ Die Gutachter hätten anschaulich dargelegt, wie und wann sich die Elektromobilität in der Region entwickeln würde und geeignete Maßnahmen vorschlagen.“

Den Auftrag für die Studie hatte vor knapp einem Jahr die Gutachtergemeinschaft aus EBP Deutschland GmbH und PTV Transport Consult GmbH erhalten. Die Botschaft der Gutachter fällt dabei klar aus: „Die Elektromobilität wird sich weiter entwickeln.“

Die Gutachter sehen dabei keine wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Die Elektromobilität wird sich in den stadtnäheren Gebieten etwas schneller entwickeln als in den ländlicheren Regionen. Hoch sind die Abweichungen jedoch nicht.

Je nach Szenario soll der Anteil am Neuwagenmarkt im Jahr 2035 zwischen 22 und 58% liegen. Dabei geht das niedrigste Szenario von einer Fortschreibung der bisherigen Entwicklung aus. Elektrofahrzeuge werden ein wesentliches Standbein der individuellen Mobilität sein, wenn auch nicht das einzige.

Gegenwärtig sind diese Fahrzeuge noch besonders in größeren Städten unterwegs. Für den ländlichen Raum zeichnen sich aber günstige Einführungsbedingungen ab. Neue Modelle, deren Markteinführung für dieses oder nächstes Jahr geplant ist, haben eine höhere Reichweite. Die Kosten für die Herstellung der bislang noch sehr teuren Batterie sinken weiter. Kosten für Wartung, Unterhalt und „Betankung“ sind dabei deutlich niedriger als bei Fahrzeugen mit Diesel- oder Benzinmotor.

Laden an der heimischen Steckdose

Analysiert haben die Gutachter auch die gegenwärtige Ladeinfrastruktur und zeigen auf, was bei deren Ausbau zu beachten ist. Bei 575 reinen Elektro-Fahrzeugen (Januar 2017) auf 238 öffentlich zugänglichen Ladestationen (September 2017) gibt es derzeit sogar ein Überangebot. Die meisten Ladeprozesse werden zu Hause stattfinden, in der Regel langsam über Nacht. Begünstigt wird dieses durch die hohe Eigenheimquote in den ländlich-suburbanen Gebieten. Die Installation von privaten Ladepunkten, den sogenannten Wallboxen, ist meistens einfach. Öffentlich zugängliche Ladepunkte werden an sogenannten Punkten von Interesse wichtig sein. Das sind Freizeiteinrichtungen, Innenstädte und Einkaufszentren, Bahnhöfe und Hotels. Hinzu kommt das Laden beim Arbeitgeber oder an Schnellladesäulen unterwegs meist an oder in der Nähe von Autobahnen. Dabei muss die Kapazität des örtlichen Verteilnetzes überprüft werden. Elektrizitätsversorgungsunternehmen und Kommunen haben dafür noch Hausaufgaben zu erledigen, um die Elektromobilität stärker voran zu bringen.

Der in der Region Lüneburg im Jahr 2035 für die Elektromobilität notwendige zusätzliche Strombedarf aus erneuerbaren Energien wird im höchsten Szenario mit 550 Gigawattstunden (GWh) angegeben. Die Produktion heute liegt bei 9400 GWh. Ein weiterer Ausbau von erneuerbaren Energien wird empfohlen, zumal der Strombedarf nach 2035 weiterhin ansteigen wird.

Ziele für die Region Lüneburg

Die Gutachter haben für die Region Lüneburg wichtige Ziele formuliert. Dazu gehören ein gut gestalteter Übergang zur Elektromobilität, die Nutzung der Chancen für die regionale Wirtschaft und die Sicherung einer nachhaltigen Mobilität im ländlichen Raum. Sie haben viele Maßnahmen identifiziert, die die Akteure aus der Region einzeln oder im Verbund angehen können. Achtzehn davon wurden näher in Profilen ausgearbeitet.

Die Studie kostete knapp 200.000 Euro und wurde zu 80 Prozent als Verbundprojekt durch Mittel der Europäischen Union bezuschusst.

 
Landesbeauftragte Monika Scherf
 
 
Annika Wangerin (Dezernatsleiterin im Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg)
 
Holger Frantz; Geschäftsführer EBP Deutschland, Geschäftsbereichsleiter Klima + Mobilität
 
Alexander Pesch; PTV Transport Consult GmbH, Projektingenieur ÖV-Planung- und Bewertung
 
 
Dr. Alexander Stark, Landkreis Harburg; Kreisentwicklung/ Wirtschaftsförderung
 
Siegfried Ziegert; Wirtschaftsförderung des Landkreises Osterholz; Sprecher der ARTIE, für das Projekt W1 Technikfolgenabschätzung
 
 
vorne v.r.n.l. Landesbeauftragte Monika Scherf, Alexander Pesch (PTV), Holger Frantz (EBP)
 
 
 
Landesbeauftragte Monika Scherf mit Dr. Alexander Stark (re) und Siegfried Ziegert
 
Landesbeauftragte Monika Scherf mit v.l.n.r.: Alexander Pesch, Siegfried Ziegert, Holger Frantz und Dr. Alexander Stark
 
v.l.n.r.: Alexander Pesch, Michael Petz Siegfried Ziegert, Holger Frantz, Monika Scherf, Dr. Alexander Stark, Björn Muth, Annika Wangerin, Lienhard Varoga
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