Vorstellung des Handlungsprogramms für die Fährverkehre in Neu Darchau und Bleckede
Bürgermeister, Landräte und Landesvertreter stellen in Lüneburg ein Handlungsprogramm für die Fährverkehre in Neu Darchau und Bleckede vor
„Heute ist ein guter Tag für die Menschen, die auf verlässliche Fährverkehre über die Elbe angewiesen sind“, ist sich Matthias Wunderling-Weilbier sicher. „Wir haben die Erarbeitung eines neuen Handlungsprogramms zur Verbesserung der Fährverkehre in Neu Darchau und Bleckede abgeschlossen.“ Der Staatssekretär des Niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums ist nach Lüneburg gekommen, um mit den beteiligten Kommunen die weitere Umsetzung des gemeinsam erarbeiteten Maßnahmenpakets zu beraten. Er zeigt sich beeindruckt über die Vielfalt der Handlungsansätze, die Fährbetreiber, Kommunen und Landesbehörden in nur vier Monaten entwickelt haben, um die Fährverkehre zu stärken.
Martina Weber, Abteilungsleiterin im Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML), unterstreicht: „Wir haben als Ministerium für den ländlichen Raum die Erstellung des Fährkonzepts mit initiiert. Das Ergebnis dokumentiert eindrucksvoll den engagierten, wertschätzenden und vertrauensvollen Umgang der regionalen Akteure untereinander, die beherzt mit vielen guten Ideen an der Verbesserung der Fährsituation gearbeitet haben. Ministerin Miriam Staudte freut sich für ihre Heimatregion, dass die Landesregierung mit dem Impuls für ein Fährkonzept den produktiven Austausch aller Beteiligten zur Verbesserung der Fährsituation geben konnte. Mit diesem gemeinsamen Handlungspapier ist viel Konkretes an greifbaren Maßnahmen für die Menschen geeint worden. Das Wertvollste ist der Dialog, um zu gemeinsamen Lösungen zu kommen und die Fährverbindungen zu verbessern.“
Zu den Akteuren, die aktiv an der Erstellung des Handlungsprogramms mitgewirkt haben, zählt die Lüneburger Kreisverwaltung. „Mir war wichtig, dass nicht ein abstraktes Konzept entsteht, sondern wir konkrete Maßnahmen formulieren, mit denen sich die Fährverkehre kurzfristig verbessern lassen. Das ist gelungen“, kommentiert Landrat Jens Böther das Treffen im Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg. „Die Elbe bleibt als naturnaher Strom aber unberechenbar, Fährverkehre werden trotz veränderter Gegebenheiten weiter an ihre Grenzen stoßen. Ich freue mich deshalb, dass noch in diesem Monat der Planfeststellungsbeschluss für die Elbbrücke zu erwarten ist und dass das Land eindeutig zu seiner Finanzierungszusage für unser Brückenprojekt steht“, so Böther.
Auch seine Kollegin aus dem Kreishaus in Lüchow, Landrätin Dagmar Schulz, unterstreicht die Bedeutung der Fährverkehre bei der überörtlichen Anbindung des Landkreises Lüchow-Dannenberg – auch deswegen hat sich der Kreistag gemeinsam mit dem Gemeinderat Neu Darchau für eine neue Niedrigwasserfähre ausgesprochen. „Damit ist den Menschen auf beiden Seiten der Elbe geholfen, das Fährkonzept bringt deutliche Verbesserungen und stärkt die Verlässlichkeit des Fährverkehrs.“ Die Elbe ist Grenzfluss in Lüchow-Dannenberg, auf mehr als 60 Kilometern. „Wir wissen, wie wichtig Fähren sind. Neben der gemeinsamen Arbeit an dem neuen Fährkonzept für den westlichen Bereich in Neu Darchau unterstützt der Landkreis zusammen mit dem Nachbarlandkreis Prignitz auch die beiden Fähren im östlichen Bereich mit 100.000 Euro.“
Mit im Maßnahmenprogramm: Die bereits in Planung befindliche neue Niedrigwasserfähre für Neu Darchau. „Die Vorbereitungen für die Anschaffung der neuen Fähre laufen auf Hochtouren“, berichtet Bürgermeister Reinhard Siebolds. „Wir sind dankbar, dass das Land eine Förderung des Fährneubaus zugesichert hat. Mit einer modernen Fähre, die einen deutlich niedrigeren Tiefgang hat, werden wir die Ausfallzeiten in Zukunft deutlich verringern können“, begründet der Bürgermeister die geplante Investition. Der Neu Darchauer Gemeinderat hatte sich ebenso wie der Kreistag Lüchow-Dannenberg bereits im September 2025 für den Fährneubau ausgesprochen.
Für die Umsetzung des Handlungsprogramms könnte die Region auch noch andere Förderprogramme einbeziehen. Martina Weber, Abteilungsleiterin im Landwirtschaftsministerium, verweist hierzu auf die LEADER-Förderung: „Die Europäische Union hat den LEADER-Regionen Niedersachsens in dieser EU-Förderperiode flächendeckend eigene Budgets zur Verfügung gestellt. Hier wären auch kleinere Infrastrukturmaßnahmen förderfähig.“ Die Entscheidung über eine tatsächliche Förderung obliege den Engagierten vor Ort, die in der so genannten „Lokalen Aktionsgruppe (LAG)“ zusammenarbeiten und über den Einsatz ihres LEADER-Budgets entscheiden.
Jürgen Meyer, Samtgemeindebürgermeister Elbtalaue, hebt eine weitere Maßnahme aus dem Handlungsprogramm hervor: „Das Programm sieht die Anschaffung einer kleinen Personen- und Fahrradfähre vor, die einspringen kann, wenn eine der beiden großen Fähren in Bleckede oder Neu Darchau einmal ausfällt. Das erhöht die Verlässlichkeit des Fährbetriebs, gerade für Nutzergruppen wie die Schülerinnen und Schüler, die auch in Niedrigwasserphasen pünktlich zum Unterricht kommen wollen“, so Meyer.
Dass es nicht nur um zusätzliche Mittel, sondern auch um neue Aufgabenteilungen und Verfahrensabläufe geht, hebt Dennis Neumann, Bürgermeister der Stadt Bleckede, hervor: „Wir arbeiten gemeinsam mit dem Landkreis ja bereits seit mehreren Jahren an der Verbesserung des Fährangebots – und sind stolz darauf, dass die MOIN GmbH in Bleckede bald eine neue, hochmoderne Fähre in Betrieb nehmen wird“, so Neumann. „Aber die beste Fähre nützt wenig, wenn die Fahrrinne versandet. Deshalb begrüße ich es sehr, dass mehrere Maßnahmen aus dem Handlungsprogramm auf das Thema Ausbaggerung zielen. Es ist wichtig, dass das Land Niedersachsen sich gegenüber der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für pragmatische und wirksame Lösungen zur Freihaltung der Fahrrinne einsetzt.“ Das sieht auch Staatssekretär Wunderling-Weilbier so – die Landesverwaltung hat bereits einen Termin bei den Verantwortlichen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt angefragt, um verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten zu erörtern.
Als Gastgeberin des Treffens erinnert Karin Beckmann an die schwierige Ausgangssituation der Arbeiten für das neue Handlungsprogramm – und freut sich umso mehr über dessen zügige Fertigstellung: „Es gab und gibt ja unterschiedliche Einschätzungen dazu, wie die Elbquerung in Neu Darchau dauerhaft verbessert werden soll“, ordnet die Landesbeauftragte für Nordost-Niedersachsen die Diskussion ein. „Dass trotz unterschiedlicher Sichtweisen zu dieser Frage eine produktive Zusammenarbeit zur Verbesserung des Fährangebots möglich ist, verdanken wir einer Überzeugung, die wir alle teilen: Wir benötigen in unserer Region hier und jetzt verlässliche und gute Fährverbindungen – unabhängig von den Planungen für eine neue Elbbrücke“, so die Landesbeauftragte. Ihre Behörde hatte gemeinsam mit dem Mobilitätsmanagement-Referat des Niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums die Erstellung des Handlungsprogramms für die Elbfähren koordiniert.
Einig sind sich alle Beteiligten darin, dass das Handlungsprogramm zügig umgesetzt werden soll. Hierzu Andreas Gehrke, Bürgermeister der Gemeinde Amt Neuhaus: „Die Lage unserer Gemeinden an der Elbe ist eine große Chance für Lebensqualität und Tourismus – aber im Alltag der Menschen auch eine große Herausforderung. Das bekommen wir regelmäßig zu spüren – bei Niedrigwasser, Hochwasser, Eisgang. Die Menschen müssen verlässlich von einem Elbufer zum anderen kommen. Das gilt für alle, die hier leben und arbeiten, aber auch für die Touristinnen und Touristen, die unsere Region besuchen. Ich begrüße daher jede Möglichkeit zur Verbesserung von Qualität und Verlässlichkeit der Fährverbindungen, solange es die Brücke nicht gibt.“ Bei der Umsetzung und Mitfinanzierung einiger der Maßnahmen werden neben dem Land auch die Kommunen gefragt sein. „Ich werde die angedachten Maßnahmen zur Verbesserung der Fährverkehre jetzt in meiner Gemeinde vorstellen und mich dafür einsetzen, dass diese dann auch umgesetzt werden“, so Gehrke.
Es steht nun also einige Beratungs-, Planungs- und Umsetzungsarbeit links und rechts der Elbe an. Die wird nicht zuletzt auf dem Schreibtisch derjenigen landen, die den täglichen Fährbetrieb in Bleckede und Neu Darchau organisieren und durchführen. „Wir haben uns von Januar bis März fast wöchentlich getroffen, um gemeinsam mit den Behördenvertretern zu überlegen, was wir für die Weiterentwicklung der Fährverkehre benötigen“, blickt Andreas Dau, Betriebsleiter der Fähre Neu Darchau, auf eine abstimmungsreiche Zeit zurück. „Die Maßnahmen, die wir angedacht haben, werden uns in den kommenden Monaten und Jahren weiter beschäftigen – wir möchten möglichst viele davon für unsere Kundinnen und Kunden umsetzen. Das Handlungsprogramm gibt uns hierfür Rückenwind“, urteilt der Fährchef aus Neu Darchau.
Gut beschäftigt ist auch Andreas Behrendt, der einige Kilometer flussabwärts den Betrieb der Bleckeder Fähre verantwortet. Er bereitet gerade in enger Abstimmung mit der Hitzler Werft in Lauenburg und den Behördenvertretern vor Ort die Inbetriebnahme der neuen Fähre „Amt Neuhaus – Bleckede“ vor: „Wir sind dabei, die letzten technischen Aufgaben zu lösen, damit die neue Fähre bald nach Bleckede überführt und dort eingesetzt werden kann – etwa die Infrastruktur zum Befüllen der Methangas-Tanks an Bord der Fähre“, so Behrendt. Das Handlungsprogramm für die beiden Elbfähren sieht der Bleckeder Fährmanager auch als Chance für eine engere Zusammenarbeit der beiden Fährbetriebe: „Wir haben in den letzten Wochen schon einiges voneinander lernen können. Im Moment arbeiten wir gerade an einer Vereinheitlichung der Tarifstrukturen für beide Fährverbindungen. Perspektivisch wollen wir auch die Informations- und Bezahlsysteme auf die gleiche Plattform umstellen. Ich freue mich schon auf die weitere Zusammenarbeit mit den Kollegen in Neu Darchau!
Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier dankt nochmals allen Mitwirkenden für die intensive Arbeit. „Ich habe erlebt, dass jetzt alle Beteiligten an einem Strang gezogen haben. Das ist es, was dieses Maßnahmenpaket so vielfältig und praxistauglich macht.“ Zugleich versichert er: „Wir als Land Niedersachsen wollten nicht nur unseren Beitrag bei der Aufstellung des Handlungsprogramms leisten. Wir werden auch die Umsetzung aktiv begleiten und Landesmittel einbringen.“
Zum Hintergrund:
Die beiden Fährverbindungen in Bleckede / Neu Bleckede und Darchau / Neu Darchau haben jeweils eine wichtige Funktion zur Verbindung der beiden Elbufer: Sie stellen die einzigen Querungsmöglichkeiten der Elbe zwischen Lauenburg und Dömitz dar. In der jüngeren Vergangenheit war es jedoch verstärkt zu Ausfällen und Tonnagebeschränkungen gekommen, die die Fährverkehre einschränkten – vor allem aufgrund niedriger Wasserstände. Der Landkreis Lüneburg hat daher bereits in 2024 den Bau einer modernen Fähre mit Biomethangas-Antrieb für die Querungsstelle Bleckede – Neu Bleckede beauftragt. Sie soll im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen.
Für die Querungsstelle Darchau/Neu Darchau werden zwei Lösungen verfolgt: Der Landkreis Lüchow-Dannenberg bereitet zusammen mit dem Fährbetrieb der Gemeinde Neu Darchau den Bau einer neuen Fähre vor und hat hierfür bereits wichtige Meilensteine bei der Finanzierung erreicht. Der Landkreis Lüneburg plant den Bau einer festen Elbquerung und hat dafür ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet, dessen Abschluss für das zweite Quartal 2026 vorgesehen ist.
Die Landesregierung favorisiert die Verbesserung des Fährbetriebs gegenüber einem Brückenneubau und unterstützt die Anschaffung der neuen Niedrigwasserfähre in Neu Darchau. Die Förderung der Fähre schließt die Förderung eines Brückenneubaus durch das Land aber keinesfalls aus. Das Land steht zu den Finanzierungszusagen unter den Förderbedingungen des Niedersächsischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (NGVFG) für das kommunale Brückenprojekt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass eine neue Fähre deutlich schneller in Betrieb genommen werden kann als eine neue Elbbrücke. Unabhängig von der Realisierung einer neuen Brücke ist es daher aus der Sicht der Landesregierung ebenso wie aus der von den Elbquerungen berührten Kommunen erforderlich, möglichst kurzfristig für einen verbesserten und verlässlicheren Fährbetrieb zu sorgen. Kommt es zum Brückenneubau, bleibt die neue Fähre in Neu Darchau eine Übergangslösung.
Das neue Handlungsprogramm enthält insgesamt 31 Maßnahmen in sechs Handlungsfeldern. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem der Einsatz von zusätzlichem „Springer-Personal“ zur Gewährleistung eines verlässlichen Betriebs, die Nutzung von Flächenpeilungsdaten des Wasserschifffahrtsamts Elbe zur frühzeitigen Ermittlung von Sedimentablagerungen im Umfeld der Fahrrinnen, die Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens für Ausbaggerungen, die Aufstellung von Klappschildern im Umfeld der Fähranleger, die Verbesserung der Informations- und Meldeketten zur Organisation von Ersatzverkehren und die touristische Vermarktung der Fährangebote.
Artikel-Informationen
erstellt am:
06.05.2026
zuletzt aktualisiert am:
28.05.2026
