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Think Big, Act Small, Start Somewhere

1. internationales Austauschtreffen des Interreg Europe Projektes RUMORE in Twente, Niederlande


 

Drei Mitarbeiter des ArL Lüneburg und vier weitere Vertreter aus der Region haben an dem ersten internationalen Austauschtreffen des Interreg Europe Projektes RUMORE, bei dem das ArL Lüneburg Projektpartner ist, teilgenommen. Das Treffen hat vom 27.09. bis 29.09.2017 in der niederländischen Region Twente stattgefunden. Im Vordergrund stand der Austausch über Good Practices, Handlungsansätze und Projekte zum Projektthema „Rural-Urban Partnerships Motivating Regional Economies"; frei übersetzt: Stadt-Land Partnerschaften für die Regionale Wirtschaft. Zentraler Tagesordnungspunkt des internationalen Treffens war eine Bustour durch die Region Twente auf der verschiedene Projekte präsentiert wurden, die maßgeblich unter der Handlungsprämisse „think big, act small, start somewhere“, auf Deutsch: „denke groß, handle klein, fang irgendwo an“, ins Rollen gebracht wurden.

Ein in diesem Zusammenhang präsentiertes Projekt ist der Plan die Kleinstadt Goor (ca. 12,000 Einwohner) in eine grüne und essbare Stadt zu verwandeln, dieser ambitionierte und umfassende Plan wurde im Rahmen einer sogenannten Quadruple Helix Kooperation, also einer Kooperation zwischen Verwaltung, Universität und Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, für die Stadt Goor entwickelt. Umgesetzt wird er zurzeit über eine wachsende Anzahl von mini Projekten wie Urban Gardening Projekten auf dem Gelände von Stadtverwaltung und Betrieben oder dem Verteilen von Samenbomben zum aussähen an Grundschulkinder. Geplant ist, dass diese Kleinprojekte sich soweit ausweiten, dass Goor, als essbare Stadt, bekannt wird und dadurch touristisches Potential entsteht. Darüber hinaus wurde im Rahmen der Bustour unter anderem ein Living Lab für biologische Landwirtschaft, also eine Art Experimentierfeld, besichtigt, dass am Rand des Campus der Universität Enschede liegt und in dessen dazugehörigen Räumlichkeiten Forscher, Studenten, Landwirte und Unternehmer zusammenkommen.

Begleitet werden diese und andere Projekte in der Region Twente durch das Green Knowledge Portal Twente, auf Deutsch in etwa „Grünes Wissensportal Twente“. Diese staatlich getragene Netzwerkorganisation wurde gegründet um Studenten und andere Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung zusammenzubringen und um dadurch Wissen in die Region zu tragen. Dies geschieht im Kern dadurch, dass „Probleme“ aus der Wirtschaft oder Verwaltung in (wissenschaftliche) Fragestellungen umgewandelt werden, die dann von Studenten bearbeitet werden. Darüber hinaus vermittelt, initiiert und begleitet das Green Knowledge Portal Kooperationsprojekte zwischen Bildungseinrichtungen, wie Universitäten, und anderen Partnern in der Region.

Die Präsentation des Handlungsmottos „think big, act small, start somewhere“ und den dazugehörigen kleinformatigen und experimentellen Projekten sorgte bei den internationalen Teilnehmern teilweise für Verwunderung. Im Laufe des Treffens wurde jedoch deutlich, dass auch kleinste Maßnahmen und experimentelle Kooperationsprojekte eine große Rolle spielen können, wenn es darum geht Entwicklungen in einer Region anzustoßen (um regionale Entwicklungsstrategien umzusetzen) und das hierfür auch kleine Projekte und Maßnahmen Aufmerksamkeit und Unterstützung verdienen. Der Handlungsansatz unserer niederländischen Partner Region „start somewhere“ funktioniert sicherlich nicht uneingeschränkt, dass Akteure im Bereich Regional- und Wirtschaftsentwicklung öfter darüber nachdenken sollten, wo es möglich ist „einfach irgendwo anzufangen“ und kleine Aktionen anzuschieben, bleibt aus deutscher Perspektive dennoch einer der zentralen Erkenntnisse des Projekttreffens.

Am letzten Tag standen mehrere Diskussionsrunden und das gegenseitige vorstellen von guten Beispielen aus den einzelnen Regionen auf der Tagesordnung. Vorgestellt wurden unter anderem ein Agro-Design Cluster aus Griechenland, ein Regionalentwicklungsprojekt zum Thema Kreislaufwirtschaft aus Amsterdam, das Projekt Verantwortungsvolle Hauptstadt aus Amsterdam, im Rahmen dessen die Hauptstadt Städtepartnerschaften mit besonders vom demografischen Wandel und negativen wirtschaftlichen Entwicklungen betroffenen Gemeinden im gesamten Land eingeht, und ein Projekt zu Clustern in ländlichen Räumen aus der Region Lombardei.

Festzustellen bleibt, dass sich regionale und institutionelle Gegebenheiten zwischen den am Projekt beteiligten Regionen zum Teil erheblich unterscheiden, es aber trotzdem gelungen ist einige neue Ideen für unsere Arbeit zu sammeln und sich auch viele Gemeinsamkeiten finden ließen. Für Überraschung sorgte z.B. dass es in den Regionen Lombardei (Großraum Mailand) und Lüneburg quasi identische Innovationsforen gibt, in denen sich Schlüsselakteure regelmäßig über Projekte und Entwicklungen im Bereich Innovation austauschen. Auch darüber, dass gegenseitiges Vertrauen und das vorhanden sein eines Mehrwertes für alle Beteiligten die zentralen Erfolgsfaktoren für das Gelingen von Kooperationsprojekten zwischen Akteuren aus Stadt und Land sind, herrschte zwischen den Teilnehmern aus allen fünf Ländern Einigkeit.

Neben den offiziellen Tagesordnungspunkten gab es auch viele Gelegenheiten sich gegenseitig kennenzulernen und über das Projektthema auszutauschen. So gab es auch neben dem offiziellen Programm viele Diskussionen über Projekte aus den Regionen, die Umsetzung der EU Förderung und viele weitere Themen.

Insgesamt haben gut 30 Personen aus den sechs Projektregionen in den Niederlanden, Italien, Griechenland, Bulgarien und Deutschland an dem Treffen teilgenommen. Organisiert wurde das Programm in den Niederlanden vom Green Knowledge Portal Twente, mehreren kommunalen Gebietskörperschaften der Region und dem Projektleadpartner der Hafen City Universität Hamburg. Die Veranstaltung und die Teilnahme der sieben köpfigen Delegation aus Lüneburg wurden aus Interreg Europe Projektgeldern und Kofinanzierungsmitteln der beteiligten Bundesländer bzw. Regionen finanziert.
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