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Was haben Moore mit dem Klima zu tun?

Flurbereinigung und Naturschutz


Moor Bildrechte: Adobe Stock

Lange wurden die Moorlandschaften in unserer Region entwässert. Doch heute wissen wir: Diese trockengelegten Böden sind verantwortlich für einen großen Teil unserer CO2-Emissionen. In gleich drei Projekten zum Flächenmanagement für Klima und Umwelt (FKU) arbeitet das Amt für regionale Landesentwicklung daran mit, Moorgebiete wieder zu vernässen. Wir kaufen Flächen an, bieten der Land- und Forstwirtschaft Tauschflächen außerhalb des Moores an und unterstützen vorbereitende Untersuchungen. Wir haben mit Dr. Hans-Gerhard Kulp von der Biologischen Station Osterholz darüber gesprochen.

Bildrechte: ArL Lüneburg
Dr. Hans-Gerhard Kulp, Biologische Station Osterholz

Herr Kulp, welche Rollen spielen Moore im Kampf gegen den Klimawandel?

Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland. Man geht davon aus, dass 12 Prozent aller Treibhausgas- Emissionen aus den entwässerten Mooren kommen. Insgesamt sind das 30 Tonnen pro Jahr und pro Hektar. Sie können mit dem Flugzeug drei Mal um die Erde fliegen, um die gleiche Menge Treibhausgase freizusetzen.

Natürliche Moore gelten als CO2-Speicher. Können Sie das einmal erklären?

Moore sind wachsende Ökosysteme. Sie lagern organische Masse ab - als Torf. Und dieser Torf besteht zu 50 Prozent aus Kohlenstoff, der vorher als CO2 in der Atmosphäre war. Wenn in den Mooren die Pfl anzen wachsen, entziehen sie der Atmosphäre CO2, der Kohlenstoff wird im Torf gespeichert. Wenn man die Moore trockenlegt, zersetzen Mikroorganismen den Torf und der Kohlenstoff geht als CO2 wieder in großen Mengen zurück in die Atmosphäre.



Welche Rolle spielt das Amt für regionale Landesentwicklung bei der Renaturierung der Moore?

Es geht darum, entwässerte Moore wieder zu vernässen. Dafür ist das FKU-Verfahren mit der Flurbereinigung ideal, weil es Interessenkonflikte zwischen Landnutzung und Moorvernässung löst. Wir haben in den Mooren teilweise sehr kleine Flurstücke. Über die Flurneuordnung kann man nun größere Einheiten schaffen, um dort den Dr. Hans-Gerhard Kulp arbeitet für die Biologische Station in Osterholz-Scharmbeck. Der Biologe engagiert sich außerdem ehrenamtlich im Naturschutz. Wasserhaushalt in den Griff zu bekommen. Den kann man nur bei größeren Flächen verändern und braucht dafür das Einverständnis aller Eigentümer. Früher sind viele Projekte zur Moorvernässung daran gescheitert.

Wie funktioniert die eigentliche Wiedervernässung?

Das ist relativ einfach: Man muss die Entwässerungssysteme schließen und der Niederschlag sorgt dann dafür, dass das Moor wieder vernässt wird. Der Wasserstand im Torf steigt bis auf Geländehöhe - eine Voraussetzung dafür, dass sich die moortypischen Tier- und Pflanzengemeinschaften wiedereinstellen.

Wie ist die Akzeptanz in der Bevölkerung?

Es gibt sicherlich Vorurteile, weil das nasse Moor früher zu nichts nutze war. Aber ein FKU-Projekt ermöglicht den Landwirten eine Fläche außerhalb des Moores zu bekommen. Dort, wo die Wasserstände nicht so hoch und wo die Böden durch den Torf nicht so nährstoffarm sind. Außerdem erhält die Landwirtschaft durch die Flurbereinigung eine verbesserte Wege-Infrastruktur.

Welche Rolle haben Sie als Biologische Station in diesem Prozess?

Wir untersuchen die Werte des Naturschutzes und des Bodenschutzes. Wir kartieren im Gelände Biotop- und Lebensraumtypen sowie die Fauna nach der FFH-Richtlinie. Und wir schaffen Ausgleichsmaßnahmen für den Bau von neuen Wirtschaftswegen.

Das Amt für regionale Landesentwicklung betreut mit „Langenmoor“, „Balksee-Randmoore“ und „Teufelsmoor“ derzeit drei Moorrenaturierungen und ist damit in Niedersachsen weit vorne. Wie geht es in Zukunft mit solchen Projekten weiter?

Noch ist das Verfahren nicht so bekannt. Wir als Naturschützer reden schon lange darüber. Bislang ist es nur ein Modell, das man aber auf viele Moorregionen ausweiten könnte. Wenn man bis 2050 zu einer Kohlenstoff-neutralen Volkswirtschaft kommen will, dann muss man jetzt anfangen die Landnutzung in den Moorregionen zu ändern.

Interview: Manuela Gaedicke

Unsere Standorte

Das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg ist an fünf Standorten vertreten. Hier finden Sie alle und Adressen und Telefonnummern.

Ansprechpartner Dezernat 4

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Artikel-Informationen

erstellt am:
02.06.2021
zuletzt aktualisiert am:
11.06.2021

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