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Erinnern von der Ostsee bis in die Lüneburger Heide

Die Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze in der Metropolregion Hamburg


Christian Hellwig und Christine Schoemakers von der Leibniz-Universität Hannover übergeben den Bericht an Harald Ottmar vom ArL und Landrat Jürgen Schulz. (LK Lü-Dan)   Bildrechte: ArL Lüneburg
Christian Hellwig und Christine Schoemakers von der Leibniz-Universität Hannover übergeben den Bericht an Harald Ottmar vom ArL und Landrat Jürgen Schulz. (LK Lü-Dan)
Die Geschichte der ehemaligen innerdeutschen Grenze in der Metropolregion Hamburg wird im Projekt „Grenzgeschichte(n)“ erstmals zusammenhängend erzählt. Dabei entsteht eine gemeinsame Erinnerungslandschaft, die es Touristen, Schülern und Bewohnern ermöglicht, sich vor Ort mit der deutsch-deutschen Geschichte zu beschäftigen. Wie diese umgesetzt werden kann, beschreiben jetzt die Handlungsempfehlungen der wissenschaftlichen Begleitung der Leibniz Universität Hannover.


Die ehemalige innerdeutsche Grenze in der Metropolregion Hamburg erstreckte sich entlang der Elbe, durch den Schaalsee sowie an den Ufern der Untertrave und der Pötenitzer Wiek; im südlichen Bereich verlief sie im Binnenland. Eine Vielzahl von Museen, Ausstellungen, Erinnerungsorten und Gedenkzeichen widmen sich entlang der mehr als 300 Kilometer den Themen Teilung und Grenze.

Oft passen sich ihre Spuren geradezu beiläufig in die Landschaft ein: Überreste des ehemaligen Kolonnenweges, ein Wachturm, der am Fähranleger in Bleckede am Elbufer steht oder die Denkpyramide in Vockfey, die auf die Vernichtung von Dörfern und Zwangsaussiedlungen im Grenzbereich aufmerksam macht. Gerade im Sommer passieren unzählige Fahrradfahrer diesen Punkt. Nehmen sie den Turm überhaupt wahr? Erkennen sie seine ehemalige Funktion und begreifen ihn als Symbol der überwundenen Teilung?

Harald Ottmar, Direktor beim Amt für regionale Landesentwicklung dazu: „Es ist gut, dass uns die ehemalige Grenze 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht mehr Tag für Tag präsent ist. Die Geschichte und aktuelle Ereignisse zeigen aber, dass es wichtig ist, uns immer wieder zu erinnern. Dafür müssen wir nicht zwangsläufig nach Berlin fahren, sondern haben auch bei uns in der Region sehr besondere Orte, die wir mit diesem Projekt stärken wollen."

Jürgen Schulz, Landrat Landkreis Lüchow – Dannenberg, ergänzte: „30 Jahre nach Erreichen der deutschen Einheit beschleicht mich gelegentlich das Gefühl, dass einige Kräfte an den höchsten Gütern zündeln, die wir neben unserer persönlichen Gesundheit haben, nämlich Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit. Umso mehr ist der Metropolregion Hamburg zu danken, dass sie die „Grenzgeschichte(n)“ und damit die deutsche Teilung zu einem Leitprojekt gemacht hat. Dies wird helfen, die Erinnerung an Unfreiheit mit all ihren Facetten und Lebensgeschichten wach zu halten. Zusammen mit unseren Partnern werden wir daraus vielfältige Projekte entwickeln, um dem hohen Anspruch der Erinnerungskultur gerecht zu werden.“

Entlang des ehemaligen Grenzverlaufs finden sich zahlreiche Institutionen, die ihren Teil dazu beitragen, die Erinnerung an Teilung und Grenze wachzuhalten. Sie erzählen die Geschichten der deutschen Zweistaatlichkeit und vom Leben im Sperrgebiet. Ebenso machen sie aufmerksam auf Themen wie Enteignung oder Zwangsaussiedlung und helfen diese Erfahrungen für nachkommende Generationen zu bewahren.

Engere Zusammenarbeit hätte großes Potential

Das auf drei Jahre angelegte Projekt „Grenzgeschichte(n)“ dient der Vernetzung und Professionalisierung dieser Angebote in der Metropolregion Hamburg. Es unterstützt und befördert die Bildung eines gemeinsamen Netzwerks. Mit über einer halben Million Euro trägt die Metropolregion Hamburg 80 Prozent der Gesamtkosten des Projektes. Die Federführung hat der Landkreis Lüchow-Dannenberg mit dem größten Anteil an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Weitere Partner sind die Kreise und kreisfreien Städte Lübeck, Herzogtum Lauenburg, Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim, Lüneburg und Uelzen.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Didaktik der Demokratie der Leibniz Universität Hannover. In ihrer Bestandsanalyse haben die Wissenschaftler Daten von 24 Museen, Ausstellungen und Erinnerungsorten erhoben. Ihr Besuch vor Ort hat gezeigt, dass die „Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze“ gleichermaßen lebendig, jedoch auch bedroht ist, weil es oft an Perspektiven, Strukturen, Personal und Finanzen mangelt. Offenkundig ist auch, dass Erinnerungsorte eine gewisse Attraktivität bieten müssen, um im Wettbewerb der zahlreichen Freizeitangebote konkurrenzfähig sein zu können.

Daher empfehlen die Wissenschaftler unter anderem, die Professionalisierung der Einrichtungen zu stärken. Dazu sei es sinnvoll, dass die Einrichtungen sich zu themenübergreifenden Lernorten weiterentwickeln. Auch die stärkere Ausrichtung von Ausstellungen auf den jeweiligen konkreten Ort sollte gefördert werden. Um sich zu professionalisieren, bräuchten die Einrichtungen insgesamt mehr Ressourcen, insbesondere durch die finanzielle Absicherung der Bundesländer. Auch eine engere Zusammenarbeit habe großes Potenzial: Synergieeffekte könnten beispielsweise bei der Gewinnung neuer Zielgruppen und dem Ausbau des regionalen touristischen Angebotes erzielt werden.

Auf der Basis dieser Empfehlungen können sich jetzt für die zweite Projektphase Erinnerungsorte bei der Metropolregion Hamburg um eine gezielte Förderung ihrer Einrichtung bewerben.

Der Bericht als Download

Hier gibt es die Handlungsempfehlungen der Leibniz-Universität Hannover zum Download

 Hier gibt es den kompletten Bericht der Leibniz-Universität Hannover zum Download.
(PDF)

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